Vor 100 Jahren gegründet und doch voller Lebensmut

Zu einem großartig organisierten Treffen kamen am ersten Maiwochenende viele Fahrende Gesellen, Ehemalige, Freunde und Interessierte auf der Jugendburg Ludwigstein zusammen.
Bereits vor 100 Jahren wurde der Jugendbund der Fahrenden Gesellen als selbständige Gruppierung aus einer Gewerkschaft bei Hamburg gegründet. Bis zur Selbstauflösung 1933 war er vorwiegend eine Gemeinschaft von jungen Kaufleuten, die sich als der Wandervogelbewegung zugehörig empfanden und die Erklärung der Freideutschen Jugend vom Hohen Meißner 1913 für ein selbstbestimmtes Leben zu verwirklichen suchten.
Seit ihrer Wiedergründung 1948 sind die Fahrenden Gesellen weder gewerkschaftlich, noch konfessionell, berufsständisch oder politisch gebunden und lehnen jede Bindung oder Anlehnung an Parteien ab. Heute sind sie vielmehr ein Lebensbund, der sich einreiht in die Vielfalt bündischen Jugend.
Die Fahrenden Gesellen als Teil der Wandervogelbewegung sind daher auch Gründungsmitglied des Ringes junger Bünde (RjB) anlässlich des neuen Meißnertreffens von 1963. Ihre Mitglieder sind außerdem beteiligt an der Instandhaltung und Verschönerung der Jugendburg Ludwigstein. Ein Grund dafür, diese Burg als passenden Rahmen für die Jubiläumsfeierlichkeiten zu wählen, ist sie doch schon seit den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Burg der bündischen Jugend.
Zu den Jubiläumsfeierlichkeiten kamen über 300 Menschen aller Generationen zusammen, um mit Tanzen, Singen, Musizieren, Laienspiel, Theatervorführung, Singewettstreit, Wanderungen, Wettkämpfen und Arbeitsgemeinschaften ein fröhliches Fest zu feiern. Die Gruppen des Deutschen Mädelwanderbundes gestalteten das Fest intensiv mit und hatten zudem schöne Geburtstagsüberraschungen vorbereitet.
Eine Ausstellung in der Burg gab umfassende und spannende Einblicke in die Geschichte der Fahrenden Gesellen als Teil der großen Wandervogelbewegung, die zu Beginn des vorigen Jahrhunderts aufblühte. Nur wenige Bünde dieser Bewegung können auf eine so lange Geschichte zurückblicken.
Wie um zu beweisen, dass auch nach einhundert Jahren die Ideale der Jugendbewegung noch aktuell sind, hatte die Jugend ihre Zelte auf den an der Burg liegenden Wiesen aufgebaut. Diese Kohten und Jurten nutzen die Jungen und Mädchen auch auf ihren Wanderungen am Wochenende oder in den Ferien. In diesen Zelten schläft die Gruppe, hier kann sie Feuer machen und kochen.
Wie vor hundert Jahren sind die Fahrenden Gesellen in erster Linie ein Wanderbund, ihre Mitglieder zieht es hinaus in die Natur. Das naturverbundene Wandern, mit einer auf das Nötigste beschränkten Ausrüstung, die der einzelne selbst tragen kann, ist nach wie vor bestimmend für die Jugendarbeit der Fahrenden Gesellen. Sie bekennen sich weiterhin zur Meißnerformel von 1913 und wollen den jungen Menschen durch die Wanderungen in der Natur abseits der Zivilisation zur Wertschätzung und Bewahrung unserer Umwelt und unserer natürlichen Lebensgrundlagen anhalten. Bei Auslandsfahrten steht daneben das Kennenlernen und Verstehen fremder Völker und Kulturen mit ihren Eigenheiten im Vordergrund.
Gruppen der Fahrenden Gesellen aus verschiedenen deutschen Bundesländern sind auch bei gemeinsamen überbündischen Veranstaltungen etwa des RjB oder bei Singewettstreiten vertreten. Sie freuen sich jetzt auf eine schöne Fahrtenzeit.

Bild vom Jugendlager der Fahrenden Gesellen beim Ludwigstein